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2./Instandsetzungsbataillon 120 bzw. 2./InstBtl 71

Immer etwas im Schatten der großen Artillerieeinheiten standen die Soldaten der „blauen“ Farbe. Blaue Litzen kennzeichnen die Uniformen der logistischen Einheiten, der „Instandsetzer“ und „Nachschieber“. Von Anfang an in Dülmen dabei war eine Instandsetzungskompanie, die im Januar 1967 aus Hemer nach Dülmen verlegte. Es handelte sich um die als mittlere Instand-setzungskompanie 7 aufgestellte und im Vorjahr umbenannte 2./Versorgungsbataillon 7, die die Divisionstruppen bei der Materialerhaltung zu unterstützen hatte.  Im Jahre 1970 erfolgte ein Unterstellungswechsel unter das gemischte Instandsetzungbataillon 120 in Rheine. Über zwei Jahrzehnte behielt die Einheit nun ihre Bezeichnung als 2./Instandsetzungsbataillon 120. Diese Beständigkeit war nicht untypisch für logistische Einheiten, deren Grundauftrag Versorgung eine  elementare Funktion jeder Militärorganisation ist.

Das Bataillon gehörte zu den logistischen Kräften des Korpsinstandsetzungskommandos und hatte vor allem Gerät der Korpstruppen instandzusetzen. Aufgrund der geographischen Situation gehörten das Raketenartilleriebataillon 150  in Wesel und das Panzerflugabwehrregiment 100 in Wuppertal zu den bevorzugten „Kunden“ der 2./120. Die Kompanie setzte zahlreiche verschiedene Waffen, Geräte und Fahrzeuge instand und benötigte ein breites Spektrum an Fachkräften. Die Werkzeugausstattung wurde anfangs in MAN mit Kofferaufbau mitgeführt, später nutzte man auf Ladepritsche verlastbare Werkstattcontainer . Zu jeder Instandsetzungkompanie gehörte natürlich auch eine entsprechende Ausstattung an Kranfahrzeugen, um unabhängig von Werkstatthallen Baugruppen wechseln zu können.

Die langjährige Zugehörigkeit zum Bataillon in Rheine endete 1993 mit einem Unterstellungswechsel zum Instandsetzungsbataillon der 7. Panzerdivision in Unna und die Umbennung in 4. / Instand- setzungsbataillon 7 .  Diese Anbindung währte jedoch nicht lange, denn schon 1996 wechselte die Kompanie zum neu aufgestellten Instandsetzungsbataillon 71 in Augustdorf als dessen 2. Kompanie. Die 2./71 war schwerpunktmäßig für die Unterstützung von Artillerieeinheiten zuständig, betreute aber in der Friedensversorgung auch andere regional zugeordnete Einheiten. In der Folgestruktur wurde die Kompanie aufgelöst. Viele Berufs- und Zeitsoldaten konnten sicherlich bei den beiden aus dem Instandsetzungsbataillon 110 hervorgegangenen neuen Kompanien des Instandsetzungsbataillons 7 in Coesfeld (4. und 5./InstBtl 7) eine weitere Verwendung finden.
Instandsetzungsausbildungskompanie 10/I bzw. 7./InstBtl 71

Ausbildungskompanie 10/I

1962 entstand in Hemer die Ausbildungskompanie 13/7, die Soldaten für die Instandsetzungstruppe auszubilden hatte. Sie kam auch schon 1966 nach Dülmen und übernahm neben der Instandsetzungsausbildung auch die allgemeine militärische Grundausbildung. 1981 kam sie in der Heerestruktur IV zum I. Korps und wurde in Instandsetzungsausbildungskompanie 10/I umbenannt. Als solche war sie dem  Instandsetzungsbataillon 120 aus Rheine unterstellt. Die Infrastruktur der Kompanie in Dülmen war im Falle einer Mobilmachung als Einsatzort der nicht aktiven Instandsetzungskompanie 733 (VBK 33) vorgesehen.

Im Jahre 1993 wurde die Kompanie Teil des Instandsetzungsregiments 11, das zur neu formierten Logistikbrigade 1 gehörte. Schon drei Jahre später folgte ein erneuter Wechsel zum Instandsetzungsbataillon 71 als dessen 7.Kompanie, so dass beide Dülmener Instandsetzungskompanien weiterhin dem gleichen Verband angehörten. Der Ausbildungsauftrag blieb im Prinzip unverändert. Neben der allgemeinen Grundausbildung gehörte dazu in den letzten Jahren auch die Fachausbildung am LKW 2t (UNIMOG), der Panzerhaubitze M109 und Stromerzeugeraggregaten. Mit der Schwesterkompanie sollte die 7./71 auch das Schicksal der Auflösung teilen.


Sanitätsmaterialkompanie 100 bzw. 5./gemischtes Lazarettregiment 11

Von ganz anderem Charakter war eine Einheit, die 1993 nach Dülmen verlegte. Es handelte sich um eine Sanitätsmaterialkompanie, die lange Jahre im Oldenburger Raum stationiert war.


Seit über 100 Jahren genießt die Sanitätstruppe einen besonderen Status im Rahmen militärischer Organsiationsformen. Mehrere völkerrechtliche Abkommen sollen den Sanitätern ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit und Schutz während einer bewaffneten Auseinandersetzung garantieren, um die medizinische Versorgung von Soldaten aller Konfliktparteien und bei Bedarf auch der Bevölkerung unter schwierigen Umständen leisten zu können.


Um von feindlicher Waffenwirkung möglichst unbehelligt zu bleiben, muss eine klare Abgrenzung von den kämpfenden Truppen erfolgen. Das bedeutet nicht nur eine besondere Kennzeichnung der Sanitätstruppe und räumliche Trennung von anderen militärischen Einheiten. Auch die Versorgung der Sanitätseinheiten muss vom militärischen Nachschub getrennt sein.


Aus diesem Grund erhielt das I. Korps 1959 die Sanitätsmaterialkompanie in Bad Zwischenahn, die nicht nur als Bundeswehrapotheke im Bereich des Korps fungierte, sondern auch die Versorgung mit anderem Sanitätsmaterial sicherstellen musste. Dazu gehörte natürlich auch eine eigene Transportkapazität. 1961 wurde die Kompanie dem Korpssanitätskommando 1 in Münster unterstellt. Die 1962 in Nachschubkompanie Sanitätsmaterial 122 umbenannte Kompanie wurde 1966 als 3. Kompanie in das gemischte Sanitätsbataillon 120 eingegliedert und verlegte 1969 in das Sanitätsdepot Quakenbrück. Der nächste Unterstellungswechsel erfolgte erst 1986 mit der Umbenennung in 7./Krankentransportbataillon 130.


Die beiden genannten Bataillone waren nur teilaktive Verbände, die im Verteidigungsfall erst durch Einberufung zahlreicher Reservisten und medizinischem Personal einsatzbereit gewesen wären. Die hohe Mobilmachungsabhängigkeit der Sanitätstruppe war sicher eine großes Defizit der Heeresstrukturen in der Ära des Ost-West-Konflikts. Nicht von ungefähr war mit den neuen Einsatzaufgaben der Bundeswehr nach 1990 auch eine Stärkung der Sanitätstruppe verbunden, da man nun weniger von einem theoretischen Verteidigungsfall, sondern mehr von kleinen, aber sehr realen „scharfen“ Einsätzen ausgehen musste.


1993 wurde die Kompanie von Quakenbrück nach Dülmen verlegt und unter dem Namen Sanitätsmaterialkompanie 100 kurzfristig wieder zu einer selbstständigen Einheit, die der neuen Sanitätsbrigade 1 in Leer unterstellt wurde.  1996 endete diese Selbstständigkeit mit der Eingliederung in das gemischte Lazarettregiment 11 (Fürstenau) als 5.Kompanie.


Die Kompanie nutzte das kleine Sanitätsmateriallager in der Bauernschaft Dernekamp, das neben normalen Lagerhallen sogar über Erdbunker verfügt. Der Auftrag der Kompanie ist sehr vielfältig. Neben der regionalen Sanitätsmaterialversorgung und Bevorratung von Sanitätsmaterial muss sich die 5./Lazarettregiment 11 auf den Betrieb von mobilen Versorgungseinrichtungen im Einsatzgebiet einrichten. Die Einheit verfügt deshalb über einen ansehnlichen Fahrzeugpark aus LKW und Anhängern.


Da die Sanitätsmaterialkompanie den Krisenreaktionskräften zugeordnet wurde, sind ihre Soldaten und Teileinheiten auch an den zahlreichen Auslandseinsätzen der letzten Jahre beteiligt gewesen. Die Kompanie benötigt eine Reihe von Fachkräften aus dem Bereich medizinischer Berufe. Dazu gehören zum Beispiel auch Augenoptiker für die Anfertigung von Brillen für militärische Einsätze.
 
Die Kompanie ist aufgrund ihres unverzichtbaren Spezialauftrages auch in der künftigen Struktur nicht gefährdet. Sie wurde  nach Coesfeld verlegt  und gehört als 5.Kompanie zum Sanitätsregiment 22 aus Hamm. Von einer ursprünglich vorgesehenen Weiternutzung der Liegenschaft im Dernekamp wurde Abstand genommen. Die Liegenschaft wurde bis 2005 noch genutzt.


Sanitätsmateriallager Dernekamp - Eingangsbereich und verbunkerter Lagerbereich.

Mit der Bundesreform 2001 endete auch die Zugehörigkeit der Kompanie zum Heer, denn in der neuen Bundeswehr bilden die Sanitätskräfte der Bundeswehr eine eigene Teilstreitkraft. Der Endstandort der Kompanie wird Ahlen sein.

Die "Sanitäter" verließen 2003 als letzte Einheit die Dülmener Kaserne.

Epilog

Der Abzug der Bundeswehr aus Dülmen verlief schneller als Anfang 2001 erwartet. Schon im März 2003 hatten die Soldaten die Sankt-Barbara-Kaserne weitgehend geräumt. Als  letzte Einheit verließ die Sanitätsmaterialkompanie die Liegenschaft. Nur noch die Standortverwaltung blieb präsent und sollte die verbleibenden militärischen Liegenschaften im westlichen Münsterland betreuen.  Im November 2004 entschied der Verteidigungsminister, dass auch der  Standorte Coesfeld  in der neuen Bundeswehrstruktur aufgegeben wird. Mit dem Artilleriebeobachtungsbataillon 71 in Flamschen wird der letzte Nachfolgeverband des ehemaligen Artillerieregiments 7 aufgelöst, da es auch das Panzerartilleriebataillon 205 als Geräteeinheit in Augustdorf nicht mehr geben wird.  Mit der Standortverwaltung verlor Dülmen Ende 2004 die letzte militärische Einrichtung in der St.-Barbara-Kaserne. Das Sanitätsmateriallager im Dernekamp sollte auch keinen Bestand mehr haben, weil die Sanitätsmaterialkompanie nach Ahlen verlegen wird.

 

Anhang:

 

Alte und neue Systeme bei der Dülmener Artillerie und Logistik 1966-2003

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Links:

Über die Artillerie der Bundeswehr allgemein:

www.artillerie.de

Über die Artillerie in Dülmen (Homepage des Traditionsvereins):

www.rheinisch-westfaelische-artillerie.de

Heimatbblätter Dülmen Heft 1 (2001)

Über die Artillerie an der Artillerieschule (Homepage des Traditionsvereins):

Artilleristen vom Klotz

Über die Artillerie in Wesel (Homepage des Traditionsvereins):

 

Raketenartilleriebataillon 150

Über die Artillerie in Augustdorf (Homepage des Traditionsvereins):

Lippische Artillerie

 Besondere Leseempfehlung:

Hans-Joachim Drost, Peter Hoß . Die Rohrartillerie 1956-70.(Gelboliv Nr 3, 2009)

www.mbvdrost.de

 Über die nukleare Komponente der Artillerie gibt es viele Informationen bei Walter Elkins:

59th Ordnance Brigade

Grafiken und Wappen dieser Webseite stammen zum großen Teil aus der Grafikbörse von Georg Breuer. Zu empfehlen ist auch die neue CD "Verbandsabzeichen der Bundeswehr" in der Struktur 2010!

Grafikbörse

neuer Link zum Thema Artillerie über das 1985 aufgelöste Feldartilleriebatailllon 210 (Philippsburg) mit Fotos vom Einsatz ehemaliger Geschütztypen von der US-Haubitze M114  bis zur M 110 A2 und dem LKW Faun 912 : www.feldartilleriebatailllon210.de

 

 

 

 

Autor:

Jürgen Dreifke

jd@bw-duelmen.de