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50 Jahre Bundeswehr im Münsterland

 

Logistik

 


 

In der Phase der Ost-West-Konfrontation befanden sich die militärischen Versorgungseinrichtungen auf dem Boden der Bundesrepublik in der größtmöglichen Distanz zum "Eisernen Vorhang". Das Münsterland, der Niederrhein und das westliche Niedersachsen hatten deshalb zahlreiche logistische Einheiten und Einrichtungen aufzunehmen. Der Standort Rheine spielte in diesem logistischen Netzwerk im nördlichen Teil der Bundesrepublik eine zentrale Rolle.

 

 

 

 

 

 

 

Das Nachschubkommando 1 in Rheine-Gellendorf steuerte den Nachschub für das I. Korps im norddeutschen Raum. Ihm unterstanden zahlreiche Korpsdepots in Norddeutschland mit wichtigen Mengenverbrauchsgütern (Treibstoff, Munition), die den Truppen des Korps in ihren potenziellen Einsatzräumen einige Tage eine gewisse logistische Autarkie verleihen sollten.
Zur Befülllung der Depots und Versorgungspunkte diente das
Transportbataillon 170 in der Theodor-Blank-Kaserne in Rheine-Bentlage, das mit seinen 10-Tonnen-LKW von FAUN und ab 1977 mit MAN- Zehntonnern (teilmilitarisiert) häufig auf den Straßen des Münsterlandes zu sehen war. Für die Versorgung der Bataillone der Korpstruppen war das Nachschubbataillon 110 an seinen Standorten Rheine-Gellendorf und Wesel zuständig.

 

 

Die Erhaltung des Gerätes der Korpstruppen war Aufgabe des
Instandsetzungskommandos 1 mit dem Instandsetzungsbataillon 120 in Rheine-Gellendorf und Dülmen sowie dem Instandsetzungsbataillon 110, das aus dem Technischen Bataillon Sonderwaffen 160 in Delmenhorst, Coesfeld und Wesel entstanden war und in den 80er Jahren mit den Delmenhorster Teilen (1. und 2.Kp) nach Coesfeld verlegte. Das Bataillon 120 hatte als Schwerpunkt die Instandsetzung von Fahrzeugen und das Schwesterbataillon 110 betreute vor allem Elektronik- und Spezialsysteme wie z.B.Raketenwaffen.

 

Natürlich verfügten auch die Truppen der in Nordrhein-Westfalen stationierten 7.Panzerdivision über eigene Versorgungseinheiten, die ihren Verbänden in den Einsatzraum folgen konnten. In der Gliederung der 70er und 80er Jahre gehörten dazu u.a. das Nachschubbataillon 7 in Unna und die Nachschubkompanien 190 (Ahlen), 200 (Unna) und 210 (Augustdorf).

 

Das Instandsetzungsbataillon 7 lag ebenfalls in Unna und die Instandsetzungskompanien 190, 200 und 210 in Handorf, Unna und Augustdorf.

 

Nicht vergessen darf man die zahlreichen Depots im westlichen Münsterland , die dem Versorgungskommando 800 in Lingen unterstanden und die Truppe im täglichen Betrieb und Einsatz unterstützen sollten.

 

 

Zu nennen wären die Gerätehauptdepots in Bork, Rheine und Ochtrup, das Geräteteildepot Lette, Munitionshauptdepots in Lünten bei Vreden, Ochtrup, Saerbeck und Olfen mit einem Munitionsteildepot in Hülsten bei Groß-Reken. Hier lagerte ein großer Teil der Material-  und Munitionsvorräte für das I. Korps und andere Truppenteile. In Borken gab es die aktive Instandsetzungskompanie 800 für die Materialerhaltung von Fernmeldegerät und anderen Spezialausrüstungen. In Epe wurde ein Sanitätshauptdepot eingerichtet. 

 

Diese Einrichtungen wurden weitgehend mit Zivilbeschäftigten unter einer militärischen Führung betrieben. Im Verteidigungsfall waren Reservisten in Depotumschlagzügen und Sicherungszügen für den Betrieb und Schutz dieser Objekte eingeplant.

 

Zum Versorgungskommando 800 gehörten auch das Transportbataillon 801 (eh.TrsptBtl 933) in Köln-Ossendorf und die teilaktiven mit je einer aktiven Kompanie ausgestatteten Nachschubbataillone 804 und 805 in Köln bzw. Lingen, die in der rückwärtigen Versorgung eingesetzt waren und in einem Kriege das Heer im Bereich der NATO-Heeresgruppe Nord (NORTHAG) logistisch unterstützt hätten. Dazu wären dann auch noch das mobilmachungsabhängige Transportbataillon 802 (Ahlen,später Dortmund-Sölde) und einige Umschlagbetriebszüge getreten. Für den Anschluss an die Versorgungseinrichtungen im westlichen Ausalnd wären dem Kommando  weitere Mobilmachungsverbände des Deutschen Logistischen Beauftragten BENELUX zugeordnet worden, namentlich das Transportbataillon 921 und das Nachschubbataillon 923 (beide Grevenbroich)

 

Eine logistische Komponente, die für die Einsatzfähigkeit der NATO-Truppen von immenser Bedeutung gewesen wäre, blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, weil sie unsichtbar unter der Erde verborgen lag: Das NATO-Pipelinesystem (CEPS) mit Rohrleitungen, Pumpstationen  und unterirdischen Tanklagern durchzog auch das Münsterland. Von Goch aus verlief ein Strang Richtung Münster und weiter nach Hessisch-Oldendorf. In Bocholt und Everswinkel befanden sich Tanklager. In Rinkerode gab es einen Notentnahmeschacht und in Rorup war noch Ende der 80er Jahre eine Pumpstation zur Versorgung des auf dem Autobahnabschnitt Dülmen-Nottuln vorbereiteten militärischen Ausweichflugplatzes eingerichtet worden. Für die pioniertechnische Unterstützung  des Pipelinenetzes im Norden (VII.Pipelinedivision) war das Piplelinepionierbataillon 800 (früher 921 bzw. 840) in Wuppertal zuständig, das im Kriege zu einem Regiment mit drei Bataillonen aufgewachsen wäre. Eine Führungszelle gab es beim Pipelinedistrikt 3/1 in Xanten-Birten.

 

 

 

 

 

 

 

Für Versorgungsaufgaben im Kriege gab es eine Reihe weiterer nicht aktiver Geräteeinheiten, die durch Einberufung von Reservisten einsatzbereit gemacht worden wären. Dazu gehörte u.a. das nicht aktive Transportbataillon 730 im Mobilmachungsstützpunkt Greven, das die Versorgung der Truppen des Wehrbereiches III in ganz Nordrhein-Westfalen bei einer Mobilisierung zu unterstützen hatte. Im  Verteidigungsbezirk 33 Münster gab es die nicht aktive Instandsetzungskompanie 733 und Nachschubkompanie 733, die nach einer Mobilmachung in vorhandenen militärischen Objekten stationäre Versorgungspunkte für das Territorialheer betreiben sollten.

Als logistisches Rückgrat für die eingeplanten US-Verstärkungen aus Übersee entstand ab Mitte der 80er Jahre das War Host Nation Support-Programm (WHNS), bei dem zahlreiche Reserveeinheiten aufgestellt wurden. In Handorf und Ochtrup lagerten dafür die Ausrüstung der nicht aktiven Transportbataillone (WHNS) 431, 432 und 433 und des Munitionsnachschubbataillons 482. Diese Einheiten unterstanden dem Unterstützungskommando 3 (WHNS) in Köln. Eine in Reken geplanter Stützpunkt für weitere Geräteineinheiten des Kommandos wurde nicht mehr realisiert. In Borken entstand 1986 das Ausbildungszentrum 3/1 in dem Reservisten dieser Einheiten mit dem in der Bundeswehr unbekannten Gerät vertraut gemacht und in die Aufgabe des Umschlages von Betriebsstoff eingewiesen wurden. Diese Unterstützungsorganisation wurde bis Mitte der 90er Jahre wieder aufgelöst.

 

 

 

 

Die Veränderungen der Bundeswehr nach der Wiedervereinigung betrafen in besonderem Maße die Korpstruppen. Die Truppen des Nachschubkommandos 1 wurden der neu formierten Logistikbrigade 1 in Lingen unterstellt. Aus dem ehemaligen Nachschubkommando 1 entstand 1994 in Rheine-Gellendorf das Nachschub- und Transportregiment 11 mit Versorgungsaufgaben in Norddeutschland.
Das Nachschubbataillon 110 blieb in dieser neuen Unterstellung bis zur Bundeswehrreform von 2001 erhalten und wurde 2003 aufgelöst. Es entwickelte sich von einem Einsatz- zu einem Ausbildungsverband.
Als aktives Transportbataillon übernahm die Lingener Logistikbrigade 1 nicht das in der Nähe liegende Transportbataillon 170 aus Bentlage, sondern das ehemalige Sonderwaffenbataillon 120 im emsländischen Werlte. Allerdings war der Standort Werlte für das auf acht Kompanien aufwachsende Transportbataillon 120 zu klein, so dass die vierte Kompanie (Transport) in Lingen, die 5. Kompanie (Transport) in Bentlage und die 8. Kompanie (Schwerlasttransport) in Gellendorf untergebracht wurden. Die 7.Kompanie war eine nicht aktive Flugbetriebsstofftransportkompanie zur Unterstützung der Heeresflieger. 

 

Die Reduzierungen der 90er Jahre standen noch unter dem politischen Zwang, die Standorte in strukturschwachen Regionen nach Möglichkeit zu erhalten, auch wenn dies nicht immer militärisch und ökonomisch zweckmäßig war. Das Transportbataillon 170 wurde auf einen Kaderverband zur Ausbildung und Vorbereitung einer Mobilisierung zurückgefahren (mit aktiver 2.Kompanie) und die übrigen Kompanien in Geräteinheiten verwandelt (s.u.) Der Logistikbrigade 1 wurden auch die zahlreichen Depots des aufgelösten Versorgungskommandos 800 (Lingen) unterstellt.

 

 

 

 

 

Das Instandsetzungsbataillon 110 in Coesfeld blieb im Rahmen der Logistikbrigade 1 unter dem Kommando des aus dem Instandsetzungskommando 1 hervorgegangenen Instandsetzungsregiments 12 in Gellendorf zuerst noch erhalten. Es war kurzfristig zu einem Verband mit sechs Kompanien in Coesfeld (1.,2.,4.), Wesel(3.),Rotenburg/W.(5.) und Rheine(6.) aufgewachsen, gab aber nach 1996 Teile an das Instandsetzungsbataillon 7 (4. und 5.InstBtl7 Coesfeld) ab. Das Instandsetzungs-bataillon 120 wurde aufgelöst und mit Teilen in das Bataillon 110 bzw 71 (2.Kp Rheine) integriert. Die beiden logistischen Regimentsstäbe 11 (Nachschub) und 12 (Instandsetzung) wurden 1997 zum Logistikregiment 11 zusammengelegt, das bis zum März 2003 bestand.

 

In den 90er Jahren stand in der Planung die Landes- und Bündnisverteidigung im Mittelpunkt. Trotz Reduzierung der Aktivstärke auf 370.000, dann 330.000 Soldaten, sollte die Bundeswehr in der Lage sein, zu einer größeren Streitmacht aufzuwachsen. Dazu gehörte natürlich auch eine aufwuchsfähige Logistik.

Das der Logistikbrigade 1 unterstehende Logistikregiment 11 führte zu diesem Zweck als aktive Verbände das Nachschubbataillon 110 , das Transportbataillon 120 und das Instandsetzungsbataillon 110. Diese  Bataillone verfügten über einsatzbereite Kompanien, die als KRK-Kräfte auch für Auslandsmissionen zur Verfügung standen, umfassten aber auch über eine Reihe von Ausbildungseinheiten, die erst nach einer Vorbereitungsphase als vollwertieg Einsatzkompanien verfügbar gewesen wären. Dazu kamen noch das  nichtaktive Transportbataillon 493 in Kranenburg, später Lippstadt, und ein nichtaktives Instandsetzungsbataillon (Nr. 111 ?). Der später zur Kompanie aufgewachsene Kampfmittebeseitigungszug 11 in Munster rundete als Spezialverband das Regiment ab. Außerdem war das Logistikregiment für den nicht aktiven Parallelverband, das Logistikregiment 12(na) , verantwortlich, das nach einer Mobilmachung die Transportbataillone  170, 720 und 802 und das Nachschubbataillon 805, dazu die Kampfmittelbeseitigungskompanie 12 geführt hätte. Im Einsatz wäre auch noch das aktive Instandsetzungsbataillon 141 (Luttmersen) dazu getreten. Die Bataillone 720, 802 und 805 hatten vorher als Kaderverbände oder Geräteeinheiten zum ehemaligen Territorialheer gehört (Wehrbereich II bzw. Versorgungskommando 800).

 

Die Bundeswehrplanung von 2001 brachte hier weitgehende Veränderungen. Die Logistik des Heeres ist in dem Transformationsprozess der Bundeswehr von einer Ausbildungsarmee für die Rolle der Landes- und Bündnisverteidigung zu einer Einsatzarmee zentralisiert worden. Die Einheiten der Heereslogistik wurden dabei zu einem großen Teil in die Streitkräftebasis verlagert, die seit einigen Jahren als eigene Teilstreitkraft zahlreiche Unterstützungs- und Führungsaufgaben für Heer, Luftwaffe und Marine wahrnimmt.

 

Die Logistikbrigade 1 in Lingen und das zu ihm gehörende Logistiregiment 11 in Rheine wurden bis 2003 aufgelöst. Das  Nachschubataillon 110 und das Transportbataillon 120  gingen in Teilen in der Streitkräftebasis auf. Das teilaktive Transportbataillon 170 wurde 2003 in Luttmersen als nicht aktives Logsitikbataillon der Panzerbrigade 9 (Munster) zugeordnet. Das gleiche geschah am gleichen Ort mit dem Nachschubbataillon 805,das der nicht aktiven Panzerbrigade 8 zugeordnet wurde. Das Transportbataillon 493 ging an die Logistiktruppen der 7.Panzerdivision, die Transportbataillone 720 und 802 wurden im Juli 2003 dem Logistikregiment 16 (Streitkräftebasis) unterstellt. Diese nicht aktiven Truppen sind in der von 2004 bis 2010  laufenden neuen Umstrukturierung allerdings auch nicht mehr vorgesehen!

 

 

An die Stelle der Logistikverbände des Heeres im Norden und Nordwesten ist das Logistikregiment 16 der Streitkräftebasis getreten, das erst in Lingen, dann in Delmenhorst stationiert wurde. Ihm unterstehen Nachschub-, Transport-, Instandsetzungs- und Depoteinheiten. Im Bundeswehrplan 2010 wird die Masse dieses Regiments mit vier logistischen Bataillonsverbänden im Norden vertreten sein. In Delmenhorst liegen der Stab, das Logistikbataillon 161 und das Transportbataillon 165, das aus der Substanz des in Lippstadt aufgelösten Transportbataillons 801 hervorging. In Schleswig-Holstein befinden sich das Logistikbataillon 162 und Instandsetzungsbataillon 166 (beide in Boostedt) und das Spezialpionierbataillon 164 (Husum).
Auch die Mehrzahl der Depots und Teildepots befindet sich in einem Auflösungs- und Umgliederungsprozess. Erhalten bleiben die Gerätedepots in Rheine und Ochtrup, das Sanitätsdepot in Epe und das von den Briten übernommene Munitionsdepot Wulfen, das die größte Einrichtung dieser Art in der Bundeswehr darstellt..

 

 

Die einst zahlreichen Logistikverbände sind somit aus unserer Region verschwunden. In dem neben Rheine zweiten logistischen Traditionsstandort Unna bleibt im Rahmen der Heeresorganisation noch das Logistikbataillon 7 erhalten, das die Panzerbrigade 21 in Augustdorf zu versorgen hat. Es wird aus dem Instandsetzungsbataillon 7 und den in Ahlen stationierten Teilen des Nachschubbataillons 51 aufgestellt.

 

Links:

 

Einen guten Weblink zu den Logistiktruppen in Rheine bietet der ...
Traditionsverband Logistik Rheine

 

 

Viel Information über die Entwicklung der Logistikverbände am Beispiel des III.Korps bei... .

Franz Prox

 

Über die Geschichte der Nachschubtruppe am Beispiel einer Kompanie...

Nachschubkompanie 320

Der Blaue Bund, eine Vereinigung von Freunden und Förderern der Logistiktruppen, ist zu erreichen unter..

www.blauer-bund.de

Fototeil:

 

Die letzten der legendären FAUN 908 Zehntonner verließen 1978 das Transportbataillon 170 (Foto H.Larken, Chronik 4./170)

 

 

Die FAUN Tankkesselwagen 15.000 l heulten noch bis Mitte der 80er Jahre im Dienst des Bataillons über norddeutsche Landstraßen (Foto: H Larken ,s.o)

 

Ein MAN 5t der Stabs- und Versorgungskompanie des Nachschubbataillons 110 nimmt im T-Bereich der Kaserne Rheine-Gellendorf seine Position in der Kolonne zum Abmarsch in die Übung "Stetiger Umschlag III" ein  (Oktober 1984).


Die Kompanie auf dem Marsch durch die norddeutsche Landschaft Richtung Jeversen in der Lüneburger Heide (Oktober 1984).

 


Einige Tage später marschiert die 1./Nachschschubbataillon 110 durch den Herbstabend aus ihrem ersten Übungsraum in der Heide zurück zur Weser, um sie nachts auf einer Schwimmbrücke nördlich von Minden  zu überqueren. Danach wird sie ihren zweiten Einsatzraum in den Dammer Bergen beziehen (Oktober 1984).

 

Text: Jürgen Dreifke