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Sicherheitspolitische Beiträge aus Seminaren der Kreisgruppe Münster VdRBw -->

Die ehemaligen Artillerie- und Logistikeinheiten am Standort Dülmen -->

Ehemalige und aktuelle Stationierung der Bundeswehr im Münsterland -->

Karten und Bilder zum Standort Dülmen, zur Bundeswehr und alliierter Partner im Münsterland und Deutschland -->


Beobachtungsbatterie 7 bzw. Beobachtungsbataillon 73

Die in der Regel ohne direkte Sicht auf den Gegner feuernde Artillerie ist für ihren Einsatz auf eine ständige Überwachung des Gefechtsfeldes angewiesen. Die ursprünglichste Form dieser Aufklärung wurde durch Vorgeschobene Beobachter sichergestellt, die in den vorderen Linien ihre Beobachtungen über den Feind und die Wirkung des eigenen Feuers an die Feuerleitzentralen meldeten. Die Fähigkeit der Artillerie, mit ihren Geschützen auch jenseits des eigenen Beobachtungsbereiches zu wirken, machte  weitere technische Beobachtungsmittel notwendig. So wurde der Einsatz der Vorgeschobenen Beobachter in Hubschraubern erprobt, die aber nicht zu jeder Zeit zur Verfügung stehen und der gegnerischen Flugabwehr ausgesetzt sind. Die Aufklärung der Luftwaffe erfordert einen hohen Zeitbedarf zwischen Zielerkennung  und Bekämpfung durch das Heer. Da einer der Hauptziele der Artillerie die gegnerische Artillerie darstellt, nutzt man zur Ortung die Auswertung der Schall- und Lichtentwicklung der Geschütze. Mit der Erfindung des Radars konnte man auch die gegnerischen Geschossflugbahnen in der Luft orten, vermessen und ihren Ausgangsort errechnen. Mit den Fortschritten der Steuerelektronik entwickelte man unbemannte Flugzeuge (Drohnen), die über dem Feindgebiet mit einem geringeren Risiko per Kamera, Infrarot- oder Radarsensoren Aufklärungsergebnisse erzielen konnten. So entstand neben der schießenden Artillerie die aufklärende Artillerie, deren Truppenteile immer noch als Beobachtungseinheiten bezeichnet werden. Bei der Einbindung der aufklärenden Artillerie in die Organisationsstruktur der Waffengattung war immer wieder zu entscheiden , ob man die technischen Aufklärungsmittel möglichst nah bei den „Abnehmern“ bereithalten und in die schießenden Einheiten integrieren oder in zentralen Einheiten bei überordneten Führungsebenen zusammenfassen sollte.

Die Einheiten mit geringerer Aufklärungstiefe wie die Vorgeschobenen Beobachter oder Radargeräte zur Gefechtsfeldüberwachung wurden direkt in die Feuerbataillone integriert, die mit ihren Waffen in den frontnahen Beobachtungsbereich hineinwirken konnten

Aufklärungsmittel größerer Reichweite wurden in den Artillerieregimentern oder Korpsrtilleriekommandos zusammengezogen, da diese Führungsentscheidungen für einen größeren Raum zu treffen hatten und hier auch Systeme größerer Reichweite, vor allem Raketen,  zur Verfügung standen. In den frühen 60er Jahren bestanden noch drei Beobachtungsbataillone auf Korpsebene, die man aber Mitte des Jahrzehnts auflöste und auf die Divisionen verteilte. So gab das Beobachtungsbataillon 370 aus Idar-Oberstein bei seiner Auflösung 1966 seine Beobachtungsbatterie 372 an das Artillerieregiment 7 in Dülmen ab. Dort entstanden eine Schallmess- und eine Radarbatterie, die 1970 zur Beobachtungsbatterie 7 vereinigt wurden.  Im Jahre 1980 wurden die technischen Artillerieaufklärungsmittel der Division wieder in einem Bataillon konzentriert und es entstand in Dülmen aus der 1.Batterie des Feldartilleriebataillons 110 und der Beobachtungsbatterie 7 das Beobachtungsbataillon 73.

Während die Stabs- und Versorgungsbatterie für die Führung und Logistik zuständig war, waren in der 2.Batterie die Schallmesskapazitäten zusammengefasste. Die 2./73 konnte mit ihren im Gelände verteilten Mikrofonen und Rechnern aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten des Geschützknalls den Standort der Geschütze ermitteln. Dagegen war die 3. Batterie eine gemischte Einheit. Sie setzte die Artillerieortungsradare „Green Archer“ und zeitweise auch die Gefechtsfeldüberwachungsradare RATAC auf dem Fahrgestell des bewährten M113 Transportpanzers ein. Das System „Green Archer“ konnte die Flugbahn von Steilfeuergeschossen vermessen und daraus den Abschussort ermitteln. Das französische System RATAC konnte mit seinem auf einer Plattform ausfahrbaren Radar bewegliche Ziele bis ca. 20 km orten. In der 3. Batterie gab es auch einen Wetterzug, der die für die Artillerie wichtigen meteorologischen Daten ermittelte. Mit einem speziellen Radar wurden Ballons zur Windmessung verfolgt. In der Planung war bei Aufstellung des Bataillons auch eine weitere Batterie zum Einsatz der Drohne CL 89 vorgesehen, die von einem MAN-Startgestell zu ihre Überwachungsflügen eingesetzt werden konnte.

Bei den Überlegungen Ende der 80er Jahre die Zahl der aktiven Einheiten angesichts eines rückläufigen Wehrpflichtigenpotentials zu reduzieren war auch eine Auflösung des Beobachtungsbataillons schon angedacht. Die in der Planung befindlichen Aufklärungsmittel sollten als Beobachtungsbatterien in die beiden schießenden Bataillone des Regiments  integriert werden.

Mit der Bundeswehrreduzierung nach 1990 war dann auch das Ende des Beobachtungsbataillons 73 ausgemacht. Die Schallmessteile und Artillerieradare wurden als 2.Batterie in das Feldartilleriebataillon 71 integriert und als Drohnenkomponente übernahm das Regiment die Coesfelder Drohnenbatterie 100 mit dem leistungsfähigen System CL 289. Eine geplante Drohne zur genauen Ermittlung und schnellen Übertragung von Zieldaten kleinerer Ziele war zur Eingliederung ins Raketenartilleriebataillon vorgesehen, so dass es wieder auf eine dezentrale Verteilung der Aufklärungsmittel hinauslief.


Begleitbatterie 7

Der Einsatz nuklearer Gefechtsköpfe gehörte zu den Möglichkeiten, auf die sich die Artillerie seit Ende der 50er Jahre vorzubereiten hatten. Die meisten NATO-Staaten erhielten damals Trägerwaffen, mit denen ihre Truppen atomare Ladungen ins Ziel bringen konnten, die sich in amerikanischem Besitz und Gewahrsam befanden. Mit diesem Verfahren wollte man sicherstellen, dass ein Angreifer bei einem Angriff auf das Bündnis in jedem Gefechtsstreifen unter einem nuklearen Risiko stand und es keine Bündnisstreitkräfte unterschiedlicher Qualität geben würde. Der Einsatz taktischer nuklearer Gefechtsköpfe wäre natürlich für Deutschland eine Katastrophe gewesen. Es handelte sich hierbei aber primär um ein politisches Konzept der Kriegsverhinderung durch Abschreckung, die eine Kriegführung in Europa von vornherein ausschließen sollte. Das Risiko für den Angreifer,  zu jeder Zeit und an jedem Ort mit einer Vielzahl nuklearer Mittel unterschiedlicher Wirkung vernichtet werden zu können, galt als Wesenselement der damaligen Kriegsverhinderungsstrategie. Aus diesem politischen  Grunde hatten sich das deutsche Heer und die deutsche Luftwaffe auf den Nukleareinsatz vorzubereiten, ohne dass Deutschland eigenständige Atommacht gewesen wäre.

Dazu gehörte nicht nur die Bereitstellung  nuklearfähiger Jagdbomber, Minen, Haubitzen und Raketen, sondern auch von Truppenteilen zur Bewachung und zum Transport der „Sonderwaffen“, wie man damals verharmlosend sagte. Bis in die 80er Jahre war die militärische Terminologie ungewöhnlich verschwommen, wenn es um nukleare Komponenten ging.

Dem Artillerieregiment 7 war 1966 das 81. US-Feldartilleriedetachment zugeordnet worden, das die Gefechtsköpfe für die M110 und Honest John im Visbecker Sonderwaffen-Lager zu verwahren hatte. Dieses Detachment unterstand dem Hauptquartier der 570th US-Artillery Group, die von 1964-1992 in Münster-Handorf lag. Eine offizielle Stellungnahme zu diesem Sachverhalt hat es allerdings nie gegeben. Die US-Einheit war letztes Glied einer Befehlskette, die die politische Kontrolle über den Einsatz der Nuklearwaffen durch den US-Präsidenten jederzeit sicherzustellen hatte. Dazu gehörten natürlich auch sichere Fernmeldeverbindungen. Der rot-weiße Fernmeldemast in der St.Barbara-Kaserne ist noch ein Relikt aus dieser Zeit als man die nukleare Infrastruktur der NATO in Deutschland unschwer an diesen Türmen erkennen konnte.

Zur nuklearen Sicherheit gehörte natürlich auch eine intensive Bewachung der sensiblen Munition gegen alle Arten von Anschlägen oder Angriffen im Frieden wie im Krieg. Aus diesem Grunde war das Raketenartilleriebataillon 72, dessen „Honest-John“-Raketen nur für nukleare Einsätze in Frage kommen konnten, mit einer Sicherungsbatterie , der 5./72, ausgestattet. Die Einheit war im Truppenlager Daaden(Westerwald) aufgestellt worden und kam 1966 nach Dülmen.

Diese infanteristisch ausgebildete Einheit von 300 Soldaten hatte nicht nur die äußere Bewachung des Depots in Visbeck rund um die Uhr zu gewährleisten, sondern musste sich auch für einen mobilen Sicherungseinsatz im Kriege vorbereiten, da die Sondermunitionslager dann geräumt worden wären. Zu diesem Zwecke erhielt die Batterie als „schwere“ Waffen auch neun Feldkanonen 20 mm, um z.B. gegen luftgelandete Kommandotrupps und Hubschrauber etc. wirken zu können.

Im befestigten Sondermunitionslager Dülmen-Visbeck verwahrte das 81. Detachment der US-Artillerie gesichert durch die Begleitbatterie 7 die Nuklearmunition für das Artillerieregiment 7.Das Foto zeigt das leerstehende Objekt im Frühjahr 2003.


Die enge Anbindung an das Visbecker Depot bedeutete auch, dass die 5. Batterie immer am Standort Dülmen blieb und die Verlegungen des Raketenartilleriebataillons nicht mitmachen musste. Aus der 5. wurde 1980 die 4./72 als mit der Ausmusterung der „Honest John“ das Bataillon um eine Batterie verringert wurde.

Im Jahre 1986 wurde die 4./72 im Zuge der Artilleriestruktur 85 zu einer selbstständigen Einheit unter Führung des Artillerieregiments 7 und trug künftig die Bezeichnung Begleitbatterie 7. Mit dem Abzug der taktischen Nuklearwaffen bei den NATO- Landstreitkräften  1992 wurde auch die Begleitbatterie 7 aufgelöst.


Panzerartilleriebataillon 205

In der Aufstellungsplanung der Bundeswehr waren insgesamt 36 Brigadeverbände als Kern der Gefechtsführung vorgesehen. Die Brigade war die kleinste Organisationseinheit in der mehrere Kampftruppenbataillone und Unterstützungskompanien verschiedener Waffengattungen zusammenwirkten und zu einem selbstständigen Gefecht befähigt waren. Um diese Selbstständigkeit sicherzustellen, wurde die ursprünglich vorgesehene Konzentration der ganzen Artillerie einer Division im Artillerieregiment wieder aufgegeben. Stattdessen erhielt jede Brigade ein eigenes Artilleriebataillon. Das Artillerieregiment der Division behielt nur ein Rohrbataillon für den allgemeinen Feuerkampf im ganzen Divisionsbereich und ein Raketenartilleriebataillon für nukleare Aufgaben. Um den Artillerieeinsatz im ganzen Divisionsbereich koordinieren und Schwerpunkte bilden zu können, wurde dem Regimentsstab  die Möglichkeit des Rückgriffs auf die Brigadebataillone eingeräumt.

Die Brigadeartillerie war in erster Linie zur Unterstützung der eigenen Kampftruppen vorgesehen und musste zu diesem Zweck eine vergleichbare Beweglichkeit und angemessenen Panzerschutz aufweisen. Aus diesem Grund wurden in den 60er Jahre alle Artilleriebataillone der Panzer- und Panzergrenadierbrigaden mit Panzerhaubitzen des Typs M 109 G ausgestattet. Nur die fünf Gebirgs- und Luftlandebrigaden behielten vorerst noch ihre Gebirgshaubitzen Kaliber 105mm . Das Panzerartilleriebataillon mit M109 G wurde damit bei der Bundeswehr wie auch bei vielen Partnerstaaten zum Standardbataillon der Artillerie. Die Version „G“ war eine deutsche Variante des amerikanischen Ursprungstyps mit einer auf 18 km gesteigerten Reichweite. Mit ca. 590 in den Jahren 1965 bis 1971 eingeführten Exemplaren war sie das Standardgeschütz der Bundeswehr.

Mitte der 60er Jahre zeichnete sich ab, dass die Zielgröße von 36 Brigaden vorläufig nicht realisierbar war. Drei Panzerbrigaden konnten nur unvollständig oder gar nicht aufgestellt werden. Teilweise waren noch zwei Kampfbataillone und Versorgungsteile zusammengekommen, aber an Artillerie war nicht zu denken gewesen.  Dazu gehörte auch der dritte Brigadeverband der 7.Panzergrenadierdivision, die Panzerbrigade 20, die über zwei Kampftruppenbataillone nicht hinauskam und 1970 als Übergangslösung in das Panzerregiment 100  in Hemer umgewandelt wurde. Im Rahmen der Erprobung einer neuen Heeresstruktur und „Ausdünnung“ bestehender Verbände kam es dann Mitte der 70er Jahre schließlich doch zur Formierung der fehlenden Brigaden, was im Bereich der 7.Division vor allem die erneute Umgliederung des Panzerregiments in Hemer und die Aufstellung des bisher fehlenden Panzerartilleriebataillons  bedeutete. Zu diesem Zweck musste das erst wenige Jahre bestehende Feldartilleriebataillon 110 in Dülmen wieder angetastet werden (s.u.). Ab Oktober 1975 entstand in der St.Barabara-Kaserne mit anfangs nur zwei Feuerbatterien das Panzerartilleriebataillon 205, das bei seinem ersten Schießen 1976 noch mit einer gemischten Ausstattung aus M109 und FH 105 antrat. Als 1977 auch die 4./205 aufgestellt werden konnte, war der Verband mit 18 Panzerhaubitzen komplett.

Mit der Eingliederung eines Artilleriespezialzuges 1981 erhielt das Bataillon auch eine nukleare Komponente. Die Einführung nuklearer Granaten des Kalibers 155 mm bei den US-Streitkräften sollte den Wegfall der „Honest John“-Raketen ausgleichen und die Einsatzmöglichkeiten verbessern. Kritiker sahen in solch „kleineren“ und  flexibleren Gefechtsköpfen allerdings  ein größeres Risiko, da sie möglicherweise mit geringeren Bedenken eingesetzt worden wären als die „großen“ Gefechtsköpfe der Raketen. 1986 wurde der Zug wieder ins Artillerieregiment 7 eingegliedert.

 

Da sich alle Mittel und Anstrengungen zur Leistungssteigerung bei der Artillerie zuerst auf die Einsatzverbände der „ersten Line“ richteten, erlebte das Panzerartilleriebataillon natürlich schnell entsprechende Modernisierungsmaßnahmen. 1987 wurde das Bataillon in die Artilleriestruktur 85 umgegliedert und verteilte seine 18 Geschütze auf nur noch zwei Feuerbatterien. Jede Batterie verfügt nun über 9 Panzerhaubitzen, sechs Vorgeschobene Beobachter und drei Vermessungseinheiten mit neuem Richtkreiselgerät. Die Beobachter , Vermessungs- und Feuerleiteinheiten erhielten eine neue Ausstattung, die in Transportpanzer M113 eingerüstet wurde. Die neuen Beobachtungs- und Feuerleitpanzer  sollten für die Soldaten und das hochwertige Gerät den gleichen Mindestschutz gegen Splitterwirkung gewährleisten wie die Panzerhaubitzen für die Kanoniere.

Am 10.10. 1989 rollt ein Teil des Bataillons während einer Übung in den  frühen Morgenstunden auf der Autobahn Hannover-Hamburg zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne (Foto: PzArtBtl 205)


1987 wurden die M 109 G auf den Standard M109 A3 G kampfwertgesteigert. Sichtbar wurde die Modernisierung vor allem an dem längeren Rohr, das nun Schussweiten von 24 km ermöglichte.    Fahrzeugnavigationsanlagen und Datenfunk ergänzten in der Folgezeit die Neuausstattung der Haubitzen aus den 60er Jahre. In die Stabs- und Versorgungsbatterie wurden zwei Gefechtsfeldradare ABRA auf der Basis des RATAC-Radars eingegliedert, die dem Bataillon eine eigene technische Aufklärungskapazität mit größerer Tiefe gaben. Auch hier war eine Einrüstung in den M113 erfolgt.  Feldkanonen 20 mm zum Eigenschutz und MAN 10 –Tonner für den Munitionstransport machten das Panzerartilleriebataillon zu einem Verband, der dem älteren Divisionsartilleriebataillon am Standort in nichts nachstand. Mit Datenfunk, Kreiselgeräten, Fahrzeugnavigationsanlagen und Laserentfernungsmesser wurden Beobachter und Feuerzüge jeder Batterie zu einem integrierten computergestütztem Systemverbund, der binnen zwei Minuten nach der Zielortung mit Feuer reagieren und danach zum Eigenschutz Stellungswechsel machen konnten.

 

Panzerhaubitze M 109 A3 G (Foto: PzArtBtl 205)


Die erste große Reduzierungsrunde nach der Wiedervereinigung stellte die Existenz des Bataillons nicht grundlegend in Frage. Die Panzerbrigade 20 wurde zwar aufgelöst, aber das Panzerartilleriebataillon 205 wechselte zur Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen, weil dessen Panzerartilleriebataillon 195 mit der Umwandlung der Kaserne in Handorf vom Kampftruppenstandort zum Schulstandort aufgelöst wurde. Vom Handorfer Bataillon wurde 1993 die 2. Batterie übernommen, die das Bataillon wieder auf drei Feuerbatterien zu je  8 M109 aufwachsen ließ. Das Dülmener Panzerartilleriebataillon wurde den Hauptverteidigungskräften zugeordnet, die die Ausbildung und den Aufwuchs für die Landesverteidigung sicherzustellen und damit eine etwas geringere Einsatzbereitschaft als die Krisenreaktionskräfte hatten. Das Nachbarbataillon 71 war den letzteren zugeordnet worden.

Das Bataillon pflegte Patenschaften zum französischen 1° Regiment d´Artillerie de Marine in Laon und zum belgischen Panzerartilleriebataillon 17.Regiment Rijdende Artillerie in Troisdorf-Altenrath. Außerdem übernahm es 1992 die Tradition des aufgelösten nicht aktiven Feldartilleriebataillons 635 aus Unna-Massen. Das aus Reservisten bestehende Bataillon war aus der Substanz der 1986 aufgelösten Feldartillerie des I. Korps hervorgegangen und mit seinen Feldhaubitzen 105 mm den Heimatschutztruppen des Wehrbereichs III (Düsseldorf) zugeordnet worden

 

Mit dem Ende der Garnison Dülmen und der Auflösung der Panzergrenadierbrigade 19 kam auch das Ende des Panzerartilleriebataillon 205 als aktive Einheit . ImJuli 2002 wurden seine Panzerhaubitzen mit zivilen Schwerlasttransportern ins Gerätedepot Herongen abtransportiert und im Oktober erfolgt die Auflösung als aktiver Verband. Als Geräteeinheit in der Verantwortung des Panzerartilleriebataillons 215 aus Augustdorf sollte das Bataillon erhalten bleiben, wurde aber dann bis 2008 wie die meisten Geräteeinheiten aufgelöst.


Feldartilleriebataillon 110

Bei der Aufstellung der Bundeswehr hatten die Einsatzverbände der „ersten Linie“ und die sie unterstützenden Einheiten absolute Priorität. Zusätzliche Verstärkungskräfte der „Heeres-artillerie“, die in den Planungen der 50er Jahre auch vorgesehen waren, mussten mit ihrer Aufstellung warten. Angesichts der Mitte der 60er Jahre auftretenden wirtschaftlichen Probleme verlangsamte sich der weitere Aufbau der Bundeswehr nachdem der Rahmen von zwölf Divisionen seit 1963 in der Masse stand.

Bei der Aufstellung der Korpsartillerie hatten aufgrund der damaligen Strategie die Einsatzbereitschaft der Raketenartilleriebataillone als mögliche Kernwaffenträger Vorrang. Dementsprechend wurde in diesem Bereich bis Mitte der 60er Jahren zuerst das Raketenartilleriebataillon 150 in Wesel aufgebaut. Die auf Korpsebene vorgesehene Verstärkungsartillerie konnte im I.Korps dagegen nicht im vorgesehenen Zeitplan entstehen.

Im Jahre 1968 stellte das Korpsartilleriekommando 1 drei nicht aktive Bataillone (FArtBtl 120, FArtBtl 130, FArtBtl 140) auf, die dank des durch die Wehrpflicht mittlerweile beträchtlich gewachsenen Reservistenpotentials nach Alarmierung mobilisiert werden konnten. Es fehlte aber noch das aktive Feldartilleriebataillon  als Kader für die Ausbildung und den Aufwuchs eines korpseigenen Rohrartillerieregimentes (ArtRgt 100 z.b.V.) mit drei Bataillonen.

Hier bot sich erst 1970 durch Auflösung des Dülmener Raketenartilleriebataillons 72 und dessen Ersatz durch einen Lehrverband in Geilenkirchen die Möglichkeit, Personal und Mittel für die „Bemannung“ von freigewordenem  Gerät freizusetzen und den Aufbau des Feldartilleriebataillons 110 zu beginnen. Zur Erstausstattung verwendete man die oben vorgestellte Feldhaubitze 105 (L), die durch M109 G in den Brigaden abgelöst worden waren. Zum Transport dieser Haubitzen gab es eine besonders ausgefallene Lösung. Die Firma FAUN hatte in ihrer vielfältigen Palette schwerer Fahrzeuge für die Bundeswehr auch einen zweiachsigen Geräteträger (FAUN GT 8/15) geliefert, der die Feldhaubitze mit einem Kran „huckepack“ verlasten, absetzen und transportieren konnte. Das Fahrzeug erwies sich im Laufe der Jahre aber als technisch sehr anfällig. Als Zugfahrzeug diente deshalb häufig auch der Munitionstransporter FAUN 912-21, der vor der leichten Feldhaubitze allerdings etwas überdimensioniert wirkte. Die Version als Artilleriezugmaschine war mit einer Plane zum Schutz der mitfahrenden Geschützbedienung versehen. Durch die Ausstattung mit dem Kaliber 105 mm war das Bataillon für protokollarische Saluteinsätze prädestiniert. Von 1971 bis 1980 erschienen seine Batterien deshalb regelmäßig auf dem Flughafen Köln-Wahn .

Das Bataillon wurde schon im ersten Jahr durch intensive Übungsaktivitäten auf den Truppenübungsplätzen, vor allem in Munster und Grafenwöhr, gefordert. Die großen Bestände an 105 mm-Munition erleichterten eine realitätsnahe Ausbildung. Bei einem gemeinsamen Schießen mit dem Feldartilleriebataillon 325 (Schwanewede) kam es zu einem Kurzschuss, der eine Beobachtergruppe auf einem „Safari-LKW“ gefährdete. Erst nach viel Mühe konnte das Schwaneweder Bataillon als „Täter“ ermittelt werden.

Die Aufstellung des Dülmener Feldartilleriebataillons 110 zog sich bis in das Jahr 1971 als der Verband endlich mit drei Feuerbatterien komplett war. Nur vier Jahre später musste das Bataillon seine 2. Batterie zur Aufstellung des Panzerartilleriebataillons 205 abgeben und seine Aktivstärke reduzieren. 1980 erfolgte ein weiterer Eingriff in die Substanz des Bataillons als die 1. Batterie zur Aufstellung des neuen Beobachtungsbataillons 73 ausgegliedert und die 3./110 in die neue 4. Batterie des Feldartilleriebataillons 71 umgewandelt wurde. In der Heeres-struktur IV war das Feldartilleriebataillon 110 nur noch als teilaktiver Verband mit einer aktiven Batterie  vorgesehen. Nur noch die 2./110, vormals 4./110, diente als aktives Kader für die beiden schwere Feldartilleriebataillone 110 und 120 des nicht aktiven ArtRgt 100 und hatte vor allem den Auftrag, diese Mob-Bataillone bei der Ausbildung ihrer Reservisten zu unterstützen.

Allerdings erhielten die Dülmener Korpsartilleristen auch  eine neue Geschützausstattung und man avancierte zum schweren Bataillon, als die M107 der Divisionen an die Korpsartillerie abgegeben und bald darauf auf M110 A2 Standard (s.o.) umgerüstet wurden. Einige M107 wurden erst später umgerohrt, um die noch vorhandene 175-mm-Munition für Ausbildungszwecke verschießen zu können. Erst 1985 wurde der letzte Schuss dieses Kalibers abgefeuert.

Im März 1986 wurden das Feldartilleriebataillon 110 und das noch übriggebliebene nicht aktive FArtBtl 120 in Unna-Massen mit der Umsetzung der Artilleriestruktur 85 aufgelöst. Die freiwerdenden M 110 A2 wurden zur Aufstockung des Feldartilleriebataillons 71 in der 4. und 5. Batterie auf je 9 Geschütze genutzt. Die Tradition des Feldartilleriebataillons 110 wurde ebenfalls vom Feldartilleriebataillon 71 übernommen.

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Autor: Jürgen Dreifke